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Under Review: Wegweisende Wochen im Ellental
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Wir schreiben den 46. Spieltag der DEL2 in der Saison 2025/26. Der Aufsteiger aus Bietigheim belegt den fünften Tabellenplatz und hat damit sogar gute Chancen auf eine direkte Playoff-Qualifikation – wer hätte das gedacht? Vor allem nach dem ernüchternden Saisonstart, nach dem so mancher Anhänger schon ein Déjà-vu aus der Spielzeit 2023/24 vermutete.
Neben den Aufstiegshelden aus der Vorsaison, die das Niveau der DEL2 weitgehend schnell adaptierten, waren es die Neuzugänge Jack Dugan, Brett Kemp und Cole Fonstad, die Grünweiß in eine solch komfortable Position brachten. Leider blieb das Verletzungspech den Schwaben auch im Januar treu, und man musste einige Spiele erneut mit einer kurzen Bank absolvieren. Umso beeindruckender ist die mannschaftliche Geschlossenheit, mit der das Team trotz aller Widrigkeiten besteht – wie bei den Erfolgen in Landshut und Kassel, als man mit nur 16 Feldspielern anreiste und fünf Spiele binnen neun Tagen absolvieren musste. Widerstandsfähig erkämpften sich die Stählernen, angeführt von Kapitän Alexander Preibisch und dessen Assistenten Pawel Dronia und Tyler McNeely, mittlerweile 74 Zähler – bereits 23 Punkte mehr als in der Abstiegssaison 2023/24.
Doch langsam muss das Team der hohen Belastung Tribut zollen. In einigen der letzten Spielen wirkten Kopf und Beine zunehmend schwer. Die Zahnräder griffen nicht wie gewohnt ineinander, auch weil die Abwehrpaare zum wiederholten Mal aufgrund von Verletzungssorgen wechseln mussten. Zudem war das Scheibenglück den Steelers nicht mehr hold, wie bei den ersten Gegentreffern gegen Freiburg und in Ravensburg zu sehen war. Beim unglücklichen Führungstreffer der Wölfe aus Freiburg zum 0:1 trudelte die Scheibe über den Rücken von Goalie Olafr Schmidt ins Tor, während nur zwei Tage später die Scheibe an der gegnerischen blauen Linie unglücklich von der Bande an Cole Fonstad vorbeirauschte, woraufhin die Towerstars zum Anschlusstreffer trafen. In beiden Partien kämpfte man sich auch dank der individuellen Klasse von Brett Kemp, der dem Wochenende vier Treffer erzielte und weitere drei Tore vorbereitete, zurück.
Demnach bleibt das Mittelfeld der DEL2 eng wie die U-Bahn in Tokio. Gerade mal acht Punkte trennen den fünften vom neunten Tabellenplatz – mittendrin die Steelers. Blickt man weiter nach unten, zeigt sich Freiburg in bestechender Form, und auch mit den Eispiraten aus Sachsen um Topscorer Corey Mackin ist weiterhin zu rechnen. Schaut man auf die letzten vier Spielzeiten, reichten im Schnitt 69 Punkte für das rettende Ufer auf Platz zehn und damit für das Vermeiden der Playdowns.
In den verbleibenden sechs Partien treffen die Steelers viermal auf direkte Konkurrenten um die Playoff-Plätze. Somit haben diese Aufeinandertreffen schon fast KO-Spiel-Charakter. Um die Pre-Playoffs zu vermeiden sollten diese gewonnen werden. Daher war das Heimspiel gegen den DEL-Absteiger und direkten Konkurrenten aus Düsseldorf umso wichtiger, um den Trend von zuletzt drei Niederlagen zu stoppen. Schon zum dritten Mal bissen sich die Rheinländer die Zähne am grün-weißen Stahl aus. Neben einem hervorragend aufgelegten „Schmidti“ war es Center Cole Fonstad, der mit zwei Treffern und einer Vorlage den Weg zum wichtigen Sieg ebnete. Der Kanadier, der kürzlich sein Arbeitspapier um zwei Jahre verlängerte, zeigte hier abermals, wie wichtig er für die Steelers ist.
Beweisen müssen sich in den verbleibenden Wochen nicht nur die Steelers, sondern auch drei Nachwuchstalente der U20. Verteidiger Pascal Widmann und Angreifer Philipp Nuss feierten am vergangenen Wochenende ihr Profidebüt für den Erzrivalen aus Heilbronn. Dabei steuerten beide jeweils eine Vorlage bei. Gleichzeitig war der groß gewachsene Stürmer Tony-Luka Pavlovic für die Islanders aus Lindau im Einsatz. Alle drei wurden für die Oberliga Süd mit einer Förderlizenz bis zum Saisonende ausgestattet.
Die Highlights im Januar:
- Mike Fischer: Mit mittlerweile 13 Treffern und 22 Vorlagen gehört „Fischi“ zu den Top 10 der deutschen Stürmer in der DEL2. Obwohl ein verletzungsbedingter Ausfall zum Saisonstart den 26-Jährigen bremste, punktet der Angreifer seit November am laufenden Band. Daher war die Freude groß, als Ende Januar die Vertragsverlängerung bis 2028 bekannt gegeben wurde.
- Tamas Kanya: Ein Nationalspieler aus Bietigheim? Das gab es zuletzt nur im Nachwuchsbereich. Unser Center mit der Nummer 10 debütierte vergangene Woche für die rumänische Nationalmannschaft, mit der er zwei deutliche Siege gegen Litauen und Spanien einfahren konnte. Direkt nach seiner Rückkehr traf er zudem im grünen Dress gegen Düsseldorf. Sein Wert ist allerdings nicht nur in Scorerpunkten zu messen, sondern vor allem in seiner konsequenten Arbeit gegen die Scheibe und im Backchecking.
- U-Nationalspieler: Die Nachwuchsarbeit der Bietigheim Steelers genießt deutschlandweit seit Jahren hohes Ansehen. Nicht umsonst stehen mit Joshua Rust, Justin Scheck und Ratislav Judin gleich drei Spieler aus der eigenen Jugend im Profikader. Das Aushängeschild ist dabei die U20, die kurz vor der Rückkehr in die Top-Division (der höchsten deutschen Spielklasse) steht. Mit Verteidiger Maksim Hanzek und Cedric Nachtmann, der bereits als dritter Goalie für die DEL2 lizenziert ist, befanden sich zuletzt zwei Talente bei der deutschen U-Nationalmannschaft. Beide überzeugten mit starken Leistungen bei ihren jeweiligen Länderspielen der U17 und U18.
von Markus Willrett