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Under Review: Mit mehr Kadertiefe und jungem Blut
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Ganze vier Jahre ist es her, dass die Steelers im September in derselben Spielklasse antreten, in der die Saison im April beendet wurde. Damals starteten die Schwaben nach einem überraschenden Klassenerhalt in der DEL in ihre zweite Spielzeit im Oberhaus des deutschen Eishockeys. Nun herrscht zumindest bei der Ligazugehörigkeit eine gewisse Kontinuität. Dies ermöglichte den Verantwortlichen an der Schwarzwaldstraße eine frühzeitige Budget- und Kaderplanung für die vor uns liegende DEL2-Saison.
Die Comeback-Saison der Steelers in der DEL2 endete nach einer hart umkämpften Halbfinalserie gegen den haushohen Favoriten aus Kassel. In den folgenden Wochen überwog der Stolz auf eine herausragende Spielzeit deutlich die Enttäuschung über das Ausscheiden. Wer hätte das dem Aufsteiger vor der Saison zugetraut? Daher sorgte die Verabschiedung von insgesamt 14 Spielern, welche Mitte April 2026 bekannt gegeben wurde, bei so manchem Anhänger und Experten in Eishockeydeutschland für Überraschung. Ein vermeintlicher „Umbruch“ trotz einer erfolgreichen Saison und dazu verließen auch noch Publikumslieblinge wie Tyler McNeely oder Olafr Schmidt den Verein. Auch der umworbene Top-Stürmer Brett Kemp unterschrieb ein attraktives Arbeitspapier in Düsseldorf. Bei genauerem Hinsehen bleiben allerdings nur drei bis vier Spieler, die konstant eine tragende Rolle im Team einnahmen – dies relativiert die damals vermehrt aufkommenden Schlagzeilen von einem „Umbruch“ im Ellental.
Noch vor einem Jahr startete man mit 20 Feldspielern, inzwischen umfasst der Kader 25 Spieler. Zudem wurde der Altersdurchschnitt um satte drei Jahre gesenkt. Das sorgt zum einen für einen verschärften Konkurrenzkampf und verschafft Coach Tim Kehler zum anderen deutlich mehr Variabilität. Künftige Verletzungen zwingen die Steelers nicht umgehend zum Handeln, da diese zunächst intern aufgefangen werden können. Auch angeschlagene Spieler können geschont werden und die nachrückenden Spieler kennen das System bereits.
In den ersten Partien zeigte sich außerdem, dass die Kräfte auf mehreren Schultern verteilt werden können. Während man in der vergangenen Spielzeit insgesamt fünf Spieler fand, die mehr als 20 Minuten auf dem Eis standen, liegt der Top-Wert aktuell bei nur 18 Minuten. Das unterstreicht die Kadertiefe und kann gerade im Saisonverlauf für die notwendige Frische im Kopf und in den Beinen sorgen.
Dazu gehört auch, dass man sich besonders auf den U21-Positionen deutlich verstärken konnte. Einer von ihnen ist der talentierte Slowene Mai Crnkic, der in den vergangenen Jahren von dem ein oder anderen NHL-Scout beobachtet wurde. Damit stellen die Steelers den mit Abstand jüngsten Kontingentspieler der Liga. Der Verteidiger Matthias Pape hat sich neben Ex-Nationalspieler Tim Bender in der ersten Verteidigungsreihe etabliert. Mit den Stürmern Max Ziergiebel und Luca Franzese kamen die stärksten Angreifer sowie mit Dominik Klein der punktbeste Defender der abgelaufenen DNL-Saison nach Bietigheim. Abschließend erhält mit Maksim Hanzek ein aktueller U18-Nationalverteidiger aus der eigenen Talentschmiede seine Chance im Profikader, der bisher nur für das U20-Team und die Heilbronner Falken in der Oberliga zum Einsatz kam.
Zwar startete man mit 6 Punkten aus 6 Partien wesentlich besser in die Saison als noch in der Vorsaison. Damals musste man ganze 8 Spieltage bis Mitte Oktober auf den ersten Sieg warten. Die klare Handschrift von Coach Tim Kehler ist bereits deutlich erkennbar. Das Team lässt den Kontrahenten oft keine Luft zum Atmen, übt schnell Druck auf den scheibenführenden Gegenspieler aus.
Mit dem Puck agieren die Steelers sehr vertikal und greifen überfallartig an. Das zeigt sich auch an den im Schnitt 37 Schüssen, welche die Steelers pro Spiel aufs gegnerische Tor bringen. Damit belegt man hinter Dresden den zweiten Rang. Allerdings greifen noch längst nicht alle Automatismen. Nur im Mittelfeld rangiert man bei der Chancenverwertung und der Powerplay-Effizienz. Ligaweit kassieren die Schwaben allerdings die zweitmeisten Strafminuten, wenngleich hier die umstrittene große Strafe gegen Jack Dugan im Spiel gegen Rosenheim zu Buche schlägt. Oft ist dabei nicht die Anzahl der Strafminuten das Problem, sondern vielmehr die Situation und der jeweilige Spielstand.
Auch in den kommenden Partien wird es wieder auf die Enztalkurve ankommen, die die EgeTrans Arena zuletzt in eine nahezu uneinnehmbare Festung verwandelte. Schließlich sind die Steelers, zumindest nach regulärer Spielzeit, zuhause noch ungeschlagen.
von Markus Willrett