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Under Review: Wie Phönix aus der Asche

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Under Review: Wie Phönix aus der Asche

Vor gut zwei Jahren trat Alexander Preibisch, damals mit dem „A“ auf der Brust, mit Tränen in den Augen ans Mikrofon – und gab den Anhängern der Steelers nach dem Abstieg in die Oberliga ein Versprechen. Dass der bald 35-Jährige kein Mann der leeren Worte ist, war schon damals bekannt. Wie er und sein Team dieses Versprechen einlösten, sorgte allerdings deutschlandweit für Aufsehen.

Noch älter als die Geschichte aus den Play-Downs 2023/24 ist die des mythischen Feuervogels Phönix. Die Legende aus der griechischen Antike erzählt von einem Wesen, das am Ende seines Lebens verbrennt und aus der eigenen Asche aufersteht. Nicht nur durch den Abstieg aus der DEL2 vor zwei Jahren und den anschließenden Kabinenbrand in der EgeTrans Arena weisen beide Chroniken Parallelen auf.

Die Rückkehr der Steelers

Der Weg zurück in die zweithöchste deutsche Spielklasse und zuletzt sogar ins Halbfinale war steinig. Verletzungssorgen, negative Schlagzeilen und finanzielle Herausforderungen prägten intensive Jahre. Jahre, an deren Ende sich Mannschaft und Verantwortliche nun mit einer außergewöhnlichen Comeback-Saison in der DEL2 belohnt haben.

Nach einem holprigen Saisonstart stellten sich die Anhänger in Schwaben früh auf einen Überlebenskampf ein. Umso bemerkenswerter die Aufholjagd: Sie führte die Steelers bis ins Halbfinale – als Aufsteiger wohlgemerkt. Dort begegnete man dem Favoriten aus Kassel auf Augenhöhe. „Respekt an Bietigheim, es hat wirklich Spaß gemacht, gegen sie zu spielen“, sagte Huskies-Legende Marco Müller nach einer hart umkämpften Serie. Trainer Todd Woodcroft legte nach: „Ein exzellentes Team mit außergewöhnlichen Spielern, die ehrliches Eishockey spielen. Wenn ich Fan wäre, wäre ich Fan der Steelers.“

Schon im Viertelfinale hatten die Steelers ein Ausrufezeichen gesetzt und die Ravensburg Towerstars in sieben Spielen bezwungen – trotz zahlreicher Ausfälle. Neben Marek Račuk fehlten auch Tyler McNeely, Maxi Söll, Benjamin Zientek, Sören Sturm und phasenweise Brett Kemp. Die DEF-Reihe um Dugan, Eckl und Fonstad stellte die Defensive der Oberschwaben dabei immer wieder vor Probleme, besonders in Überzahl. „Cole Fonstad belebt vor allem das Powerplay der Steelers und ist ein Spieler, bei dem der Puls in der Kurve mit jeder Puckberührung einen Schlag aussetzt“, schwärmte Simon Rentel vom Eisblog.

Zudem spielte Arne Uplegger die beste Saison seiner Karriere, während sich bei Tim Schüle das Gefühl aufdrängt, er sei wie guter Rotwein – je älter, desto besser. Der Ausfall von Račuk wog dennoch schwer mit Blick auf das Secondary Scoring, gerade aufgrund dessen herausragender Form im Februar. Im Forechecking betrieben Kapitän Alex Preibisch, Filip Reisnecker und auch der nachverpflichtete Luis Ludin maximalen Aufwand, um die Gegner früh zu stören – das schmeckte den Towerstars nämlich überhaupt nicht.

Versprechen eingelöst

Ein ähnliches Versprechen wie Preibisch noch vor zwei Jahren gab auch Top-Scorer Jack Dugan im Oktober 2025, als er deutlich machte: „Ich spiele nicht, um Neunter zu werden.“ Am Ende der Saison gehören die Steelers nach einer erneut hart umkämpften Halbfinalserie zu den besten vier Teams der DEL2 und ließen sich erneut nur nach Overtime bezwingen.

Nach der Partie am vergangenen Sonntag war es erneut Preibisch, der das Mikrofon ergriff – diesmal mit dem „C“ auf der Brust. „Ich bin unglaublich stolz auf jeden Einzelnen hier“, sagte

der Kapitän. Anders als vor zwei Jahren steht der Klub heute nicht vor einem Scherbenhaufen, sondern vor einem Phönix, der längst wieder auferstanden ist.

Was bleibt, ist jede Menge Stolz und mitreißendes Eishockey im Ellental. Damit haben die Steelers in der DEL2 nicht nur eine Visitenkarte übergeben, sondern diese der Konkurrenz mit den Worten „Wir sind wieder da!“ regelrecht in die Hand gepresst. „Die Grün-Weißen sind eine spezielle Ansammlung von Menschen – im positivsten Sinne“, beschreibt Eisblog-Gründer Simon Rentel die Schwaben.

Realistische Erwartungshaltung

Trotz der Euphorie sollte die Erwartungshaltung bodenständig bleiben, und dem Umfeld sollte bewusst sein, dass ein erneuter Halbfinaleinzug kein Selbstläufer sein kann – der Klub bleibt zwar ambitioniert, aber realistisch, auch in Anbetracht der finanziellen Möglichkeiten. Für ein solches Ergebnis wie in der abgelaufenen Saison müssen auch künftig zahlreiche Zahnräder ineinandergreifen.

Die Kaderplanung ist weit fortgeschritten, wichtige Säulen bleiben erhalten. Nach der Freistellung von Cheftrainer Alexander Dück ist allerdings die sportliche Führung vakant. Im Hintergrund laufen Gespräche. Trotzdem ist der Standort gefestigt genug, um dieser und allen zukünftigen Herausforderungen nicht nur zu begegnen, sondern dies auch mit seinen zahlreichen Anhängern erfolgreich zu meistern.

von Markus Willret